Solidarität im Minenfeld: Werden wir zu „Frenemies“? Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus: Gemeinsamkeiten verstehen, Differenzen aushalten


Podium im Rahmen der Reihe "between the lines": mit Anna Sabel (Verband binationaler Familien und Partnerschaften), Rachel Spicker (Mobile Opferberatung), Sina Arnold (Zentrum für Antisemitismusforschung), Moderation: Eva Josephine Weber


Offener Antisemitismus nimmt zu, Synagogen werden angegriffen, antimuslimischer Rassismus und andere Formen rassistischer Ausgrenzung verschärfen sich, während die Migrationspolitik und der Migrationsdiskurs zunehmend entmenschlichend geführt werden. Zugleich sind wir mit dem Leid in Gaza, Israel und dem Nahen und Mittleren Osten konfrontiert. Wie können wir über diese unterschiedlichen Leiderfahrungen sprechen, ohne sie gegeneinander auszuspielen oder aufzurechnen und jeder Stimme den notwendigen Raum zu geben?
Der 7. Oktober 2023 hat die gesellschaftliche Debatte in ein Minenfeld verwandelt. Statt einer gemeinsamen Front gegen den Hass erleben wir eine tiefe Spaltung. Diese trifft oft genau jene, die eigentlich für eine offene Gesellschaft kämpfen.
Zusammen mit unseren Podiumsgästen analysieren wir die spezifische Logik beider Diskriminierungsformen. Wo überschneiden sich die Mechanismen der Ausgrenzung, und wo liegen die deutlichen Unterschiede in ihren ideologischen Wurzeln? Wir suchen nach einer Praxis, die Widersprüche aushält, statt den Schmerz der einen Seite gegen den der anderen auszuspielen.

Rachel Spicker, Sozialwissenschaftlerin M. A., systemische Beraterin und Prozessbegleiterin sowie Unterstützerin der Überlebenden des antisemitischen, rassistischen und misogynen Anschlags von Halle und Wiedersdorf an Yom Kippur 5780, 9. Oktober 2019. Sie ist Mitglied der Soligruppe 9. Oktober, Mitorganisatorin des Festival of Resilience und setzt mit Überlebenden und Aktivist*innen bildungspolitische und künstlerische Projekte zum Thema Gedenken und Erinnern um. Sie arbeitet u. a. für die Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt.

Sina Arnold ist Sozialwissenschaftlerin und derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Im Rahmen des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt leitet sie Forschungsprojekte zu Antisemitismus und Erinnerungspolitik in der postmigrantischen Gesellschaft und zu institutionellem Rassismus. Sie studierte Ethnologie, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaft in Berlin und Manchester und promovierte zu Antisemitismusdiskursen in der US-amerikanischen Linken. Neben ihrer akademischen Tätigkeit ist sie publizistisch, politisch und in der Bildungsarbeit gegen Rassismus und Antisemitismus aktiv.

Anna Sabel ist Medienwissenschaftlerin und politische Bildungsarbeiterin mit den Schwerpunkten antimuslimischer Rassismus und Rassismuskritik. Beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Leipzig leitet sie das Projekt „Unsichtbarkeiten in der Migrationsgesellschaft“ sowie das „Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit“. Sie entwickelt in diesem Rahmen rassismuskritisches Bildungsmaterial, ist Regisseurin des Dokumentarfilms „Spendier mir einen Çay und ich erzähl dir alles“, Kuratorin der Ausstellungen „Re:Orient“ und „ein muslimischer Mann – kein muslimischer Mann“ und Autorin und Mitherausgeberin des Essaybands „Die Erfindung des muslimischen Anderen – 20 Fragen und Antworten, die nichts über das Muslimischsein verraten“.

veranstaltet von Transformative Bildung und Kultur e. V. in Kooperation mit dem linXXnet, mitfinanziert im Rahmen von "Weltoffenes Sachsen" aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes

in 20 days
Ost-Passage Theater
27, Konradstraße, Eisenbahnstraße, Neustadt-Neuschönefeld, Ost, Leipzig, Sachsen, 04315, Deutschland
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